
Guide
Das Alte Nara-Haus ist ein beeindruckendes Bauwerk, das während der Horeki-Ära (1751–1763) der mittleren Edo-Zeit errichtet wurde. Es war der Wohnsitz der Familie Nara, einer einflussreichen Bauernfamilie in der Präfektur Akita. Es wird überliefert, dass der Bau drei Jahre dauerte und enorme Ressourcen verbrauchte. Das Gebäude zeichnet sich durch den charakteristischen „Ryochumon“-Stil aus, bei dem die beiden Eingangsseiten nach vorne hervortreten, und wurde am 29. Mai 1965 als nationales wichtiges Kulturgut eingestuft. Das Anwesen umfasst neben dem Haupthaus sieben Nebengebäude, darunter historische Speicher und Wohnhäuser aus der Meiji- und Taisho-Zeit, die alle im Jahr 2006 als registrierte materielle Kulturgüter katalogisiert wurden.
Die Familie Nara gehörte zu den einflussreichsten Familien in der Region Akita. Das Anwesen ist nicht nur ein Wohnhaus, sondern ein lebendiges Geschichtsbuch über die soziale Struktur und die wirtschaftliche Kraft jener Zeit. Der „Ryochumon“-Baustil ist typisch für die Landwirtschaftsregionen der zentralen Küste von Akita. Ein besonderes Highlight ist die „Meiji-Tenno-Koyusho“ (Raststätte des Kaisers Meiji), ein Gebäude, das als Ruheplatz für den Kaiser während seiner Reise durch die Tohoku-Region diente. Die Architektur spiegelt die Lebensweise der damaligen Bauern sowie die tiefe Verbindung zu Pferden und den lokalen Glauben wider.

Ein markantes Merkmal ist die Struktur aus dem „Zashiki-Chumon“ auf der linken und dem „Maya-Chumon“ auf der rechten Seite. Der Doma-Bereich (erdgeschossiger Flur) diente als Arbeitsbereich für die Landwirtschaft und das Hauswesen; hier konnte man früher auch Pferde halten. Es gibt sogar Relikte, die den damaligen Glauben zeigen, wie etwa einen Affenkopf, der zur Sicherung der Gesundheit der Pferde aufgestellt wurde. Im Zentrum des Doma-Bereichs befindet sich ein achteckiger Pfosten und eine große „Niwai-rori“ (offene Feuerstelle), die das Zentrum des täglichen Lebens markiert. Die Mischung aus dem formellen Shoin-Stil, dem familiären Wohnbereich „Oe“ und der kaiserlichen Raststätte zeigt die Vielfalt der Architekturstile über die Epochen hinweg.
Das Anwesen kann zu jeder Jahreszeit besichtigt werden. Besonders bei hellem Tageslicht lassen sich die Details der Architektur, wie der Doma-Flur und die Zashiki-Zimmer, am besten studieren. Da die Besichtigung primlich im Innenbereich stattfindet, ist der Besuch wetterunabhängig.
Das Gelände bietet einen tiefen Einblick in die Architekturgeschichte. Beobachten Sie Konstruktionen wie die „Doen“ (Schwellenbereiche), die verhindern, dass Außenluft direkt in den Wohnbereich strömt, oder den „Wakaze“ (Dachboden), der als Schlafraum für Gesinde diente. Ein künstlerisches Highlight sind die bemalten Holztüren mit Kranich- und Bambusmotiven, die dem Stil des berühmten Künstlers Kano Kyushin zugeschrieben werden.
Das Haus dient als kultureller Knotenpunkt der Region und ist eng mit dem Akita Prefectural Museum verbunden. In der Umgebung finden sich weitere Einrichtungen, die sich mit der lokalen Geschichte und Volkskunde befassen.
Beim Begehen der historischen Gebäude ist besondere Vorsicht geboten. Da es sich um ein geschütztes Kulturgut handelt, wird um einen behutsamen Umgang beim An- und Ausziehen der Schuhe gebeten. Bitte beachten Sie die lokalen Anweisagen bezüglich der Fotografie innerhalb der Gebäude.