
Guide
Kemari ist ein traditionelles japanisches Ballspiel, das während der Heian-Zeit (794–1185) unter dem Adel weit verbreitet war. Das Ziel ist es, einen Ball, der aus zwei Lederstücken besteht, durch rhythmisches Treten in der Luft zu halten. Im Gegensatz zu modernen Sportarten geht es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um die Kultivierung von mentaler Konzentration und Harmonie. Die Spieler streben danach, den Ball so geschickt zu bewegen, dass der Partner ihn leicht annehmen kann. Auch heute wird diese Kunstform in traditioneller Kleidung und nach strengen historischen Regeln bei Zeremonien gepflegt.
Die Ursprünge von Kemari liegen vermutlich in Bewegungen, die während der Asuka- und Nara-Zeit aus China nach Japan kamen. In der Heian-Zeit entwickelte es sich zu einem festen Bestandteil des höfischen Lebens und wurde als Unterhaltung für den Kaiser und den Adel geschätzt. Die Bedeutung des Spiels stieg, als der Kaiser Kochigawa erstmals auf einem Kemari-Feld stand, woraufhin Adlige spezielle Trainingsplätze, sogenannte 'Kemiba', in ihren Residenzen errichteten. In der Kamakura- und Muromachi-Zeit verbreitete sich das Spiel auch in der Samurai-Klasse und festigte seinen Status als eine Form der 'Kunst des Weges' (Geido).
Während der Edo-Zeit war Kemari auch beim einfachen Volk beliebt, wandelte sich jedoch durch strenge Regeln der traditionellen Familienhäuser allmählich von einer aktiven Sportart zu einer eher beobachteten Kultur. Nach dem Niedergang während der Meiji-Restauration wurde 1907 die 'Kemari-Erhaltungsgesellschaft' gegründet, um die traditionellen Formen bis heute zu bewahren.
Das faszinierendste Element von Kemari ist die elegante Bewegung in Verbindung mit der historischen Tracht. Die Teilnehmer tragen charakteristische Kleidung wie 'Tate-eboshi' (Hüte), 'Kemari-mizuhiki' (Gewänder) und 'Kemari-hakama' (Hosen). Während des Spiels werden rhythmische Rufe wie 'Ari', 'Ya' oder 'O' verwendet, um den Takt zu halten. Ein idealer Ballstoß erreicht eine Höhe von etwa 4,5 Metern, wobei auch der Klang und die Rotation des Balls eine große Rolle spielen.
Kemari wird oft zu bestimmten Jahreszeiten oder bei Schreinfesten aufgeführt. So findet beispielsweise im Januar das 'Kemari Hatsugome' am Shimogamo-Schrein statt, oder im Februar das 'Kigen-sai' am Kamigamo-Schrein. Auch der Shiramine-Schrein bietet im April und Juli Zeremonien an. Je nach Anlass und Ort variieren die Möglichkeiten, das Spiel live zu erleben oder sogar selbst teilzunehmen.
In der Präfektur Kyoto gibt es Bestrebungen, die traditionellen Techniken zu bewahren. In der Stadt Kyotamba wird beispielsweise die Kunst der Herstellung der traditionellen Bälle weitergegeben. Auch in der Präfektur Osaka gibt es gelegentliche Veranstaltungen, bei denen man die historische Kleidung tragen und das Spiel ausprobieren kann. Dies bietet eine tiefe Einsicht in die Herstellung der Bälle und die historischen Etiketten.
Verknüpfen Sie Ihren Besuch mit historischen Orten wie dem Shimogamo-Schrein, Kamigamo-Schrein oder Shiramine-Schrein in Kyoto sowie dem Minase-Schrein in Osaka. Diese Orte bieten eine wunderschöne Kulisse aus Architektur und Natur.