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Hokkai-ji ist ein bedeutender Tempel der Shingon-Schule des Daigo-Zweigs in Fushimi, Kyoto. Er diente historisch als Begräbnisstätte der Familie Hino, eines Zweiges des einflussreichen Fujiwara-Clans. Der Tempel wird auch als „Hino Yakushi“ oder „Chichi Yakushi“ (Milch-Yakushi) bezeichnet, da er seit langem ein Zentrum des Glaubens für Frauen ist, die um eine sichere Geburt, Stillzeit und das Wachstum ihrer Kinder bitten. Die Anlage beherbergt das Nationalgut Amida-do sowie eine hölzerne Amida Nyorai Statue und die wichtige Kulturschatz-Statue des Yakushi Nyorai, was ihn zu einem Ort von unschätzbarem Wert für die japanische buddhistische Kunst macht.
Die Geschichte des Tempels reicht bis in die frühe Heian-Zeit zurück. Der Ursprung liegt in der Verehrung einer Yakushi Nyorai Statue, die der Legende nach von Saicho, dem Gründer der Tendai-Schule, geschaffen wurde. Mit dem Aufstieg des Amida-Glaubens in der späten Heian-Zeit entwickelte sich der Baustil, der die Grundlage für das heutige Amida-do bildete. Zudem ist der Ort eng mit Shinran Shonin, dem Gründer des Jodo Shinshu, verbunden. Auch die Geschichte der Familie Hino ist hier tief verwurzelt; so wird überliefert, dass Hino Tomiko, die Frau von Ashikaga Yoshimasa, den Tempel für Gebete um eine sichere Geburt besuchte.

Das Herzstück von Hokkai-ji ist die Amida-do, ein Gebäude, das den Stil des paradiesischen Amida-Glaubens der Fujiwara-Zeit verkörpert. Die darin befindliche hölzerne Amida Nyorai Statue ist ein Meisterwerk der Bildhauerei. Ein weiteres Highlight ist die Yakushi Nyorai Statue (Wichtiges Kulturgut), in deren Inneren eine kleine Statue enthält, die dem Gründer Saicho zugeschrieben wird – dies ist der Ursprung des Glaubens an den „Chichi Yakushi“. Auch die Wandmalereien (Tennyo-Darstellungen) an den Wänden der Amida-do sind von höchstem künstlerischem Wert und zeigen die farbenprächtige Ästhetik der traditionellen japanischen Kunst.
Der Tempel bietet eine harmonische Verbindung zwischen Architektur und Natur. Besonders in den ruhigen Vormittagsstunden kann man die friedliche Atmosphäre des Geländes genießen. Ein besonderes Ereignis findet jährlich am 14. Januar statt: Der „Hino no Hadaka Odori“ (Nackttanz von Hino). Bei diesem traditionellen Ritual tanzen junge Männer in traditioneller Weise vor der Amida-do – ein seltenes und faszinendes kulturelles Ereignis, das die tiefe Verbundenheit der Region mit dem Tempel zeigt.

Der Besuch konzentriert sich auf die stille Betrachtung buddhistischer Kunst. Durch die Gittertüren der Yakushi-do kann man die vielen „Yodarekake“ (Lätzchen) sehen, die als Opfergaben für die sichere Geburt und das Wachstum von Kindern dargebracht wurden. Ein Spaziergang durch die Gärten und um den Teich herum ermöglicht es, die Einheit von Architektur und Natur zu erleben. Bitte beachten Sie, dass die meisten Statuen und Wandbilder geschützte Kulturgüter sind und eine respektvolle, stille Betrachtung erfordern.
Die Umgebung von Hokkai-ji ist reich an Geschichte. In der Nähe befinden sich unter anderem der Jōruri-ji Tempel und der berühmte Daigo-ji Tempel. Ein Rundgang durch diese Tempel ermöglicht ein tieferes Verständnis der buddhistischen Kultur Kyotos. Auch die Gegend um Hino, in der einst der Schriftsteller Kamakura no Kenji lebte, lädt zu entspannten Spaziergängen ein.
Da es sich um einen aktiven Tempel handelt, ist ein respektvolles Verhalten unerlässlich. Bitte vermeiden Sie laute Gespräche. Es wird empfohlen, dezente Kleidung zu tragen (keine zu freizügige Kleidung). Für den Kauf von Talismanen (Omamori) oder Stempeln (Goshuin) halten Sie bitte Bargeld bereit. Das Fotografieren von Statuen oder Wandbildern ist oft eingeschränkt; bitte achten Sie auf die lokalen Hinweisschilder und nutzen Sie keinen Blitz oder Stative.